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Entwicklung der Buchenrundholz-Exporte von Deutschland nach China © Destatis

Buchenexporte nach China

Ein Artikel von Landesforstbetrieb ForstBW | 04.06.2014 - 08:46
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Entwicklung der Buchenrundholz-Exporte von Deutschland nach China © Destatis

So wurde einerseits vom „Verscherbeln zu Dumping-Preisen“ und andererseits von „Preistreiberei, welche die deutschen Sägewerke in Existenznot bringt“, in den Medien berichtet. Auch wenn Baden-Württemberg aufgrund der weiten Entfernungen zu den Seehäfen für Exporte nach China nicht die erste Wahl ist, sind Rundholzexporte ein Thema. Der Landesbetrieb Forst Baden-Württemberg (ForstBW) geht davon aus, dass 2012 etwa 13 % des Buchenstammholzes aus baden-württembergischem Einschlag in den Fernostexport gingen.

Ganz genau kann der Anteil nicht beziffert werden, da das Holz fast ausschließlich an deutsche Kunden verkauft wurde und die Zieldestination nicht in jedem Fall bekannt ist. Mehrfach wurde in Berichten vorgerechnet, welcher Kahlhiebsfläche die aus Deutschland exportierten Mengen entsprechen. Das Holz stammt natürlich nicht aus rücksichtsloser Kahlschlagwirtschaft, sondern aus nachhaltiger und naturnaher Forstwirtschaft mit überwiegend einzelstammweiser Nutzung. Kurze Transporte im gesamten Stoffstrom sind ohne Zweifel wünschenswert für die Klima- und Umweltbilanz eines Produktes sowie die Ressourcenschonung. Die Vermarktung an regionale Kunden wird deshalb von den Waldbesitzern bevorzugt. Im Folgenden sollen ein paar Hintergründe der Exportlieferungen näher beleuchtet werden.

Planwirtschaftliche Rechenmodelle

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Buchenstammholz kostet heute nicht mehr als vor 25 Jahren © Destatis

2013 hat China 12,23 Mio. fm Laubrundholz importiert. Aus Deutschland stammten 0,29 Mio. Gelegentlich wird vorgerechnet, wie viel die deutschen Unternehmen und Finanzämter mehr eingenommen hätten, wenn das Rundholz in Deutschland gesägt und die entsprechende Menge Schnittholz exportiert worden wäre. Wo das Holz verarbeitet und wer somit an der Wertschöpfung beteiligt wird, scheint dabei in alleiniger und willkürlicher Entscheidungskompetenz der Waldbesitzer zu liegen.

Wenn Wirtschaft so einfach ist, stellt sich unweigerlich die Frage, warum das Schnittholz exportiert werden soll. Folgerichtig wäre es doch, noch einen Schritt weiter zu gehen und das Schnittholz in Deutschland zu Möbeln verarbeiten zu lassen und die Möbel zu exportieren, dann würden Staat und Unternehmen noch mehr Geld einnehmen. Das Modell erklärt aber nicht, warum in Mitteleuropa die erzeugten Laubschnittholzmengen schon dramatisch zurückgingen, bevor es Rundholzexporte nach China überhaupt gab.

Versorgungssituation der Buchensägewerke

Die Mengenversorgung der einheimischen Buchensäger ist problemlos möglich. Die Rundholzexportmengen nach China sind im Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre gleich geblieben. In einer Analyse des Verbandes der Deutschen Säge- und Holzindustrie (DeSH), die auf der Hardwood-Konferenz 2013 vorgestellt wurde, gab es folgende Einschätzung: „Die Verfügbarkeit von Buchenrundholz ist (noch) gut“ und „die Preise sind vergleichsweise günstig“ (nachzulesen auf den Internetseiten der Europäischen Organisation der Sägewerke EOS).

Wirtschaftliche Lage

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Eine starke Buchennaturverjüngung entwickelt sich unter dem Altholz © Heidelbauer

Es ist offensichtlich, dass sich die einheimischen Buchensägewerke in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage befinden. Damit geht es ihnen ähnlich wie den Buchenforstbetrieben. Hintergrund dieses gemeinsamen Problems ist, dass in den vergangenen 25 Jahren in Westeuropa die Verwendung von massivem Buchenholz stetig zurückgegangen ist. Laubschnittholz verlor immer mehr Marktanteile, vor allem an Erzeugnisse der Holzwerkstoff-Industrie, aber auch an Kunststoff- und Metallprodukte.

Dies ist nur teilweise modebedingt. In erster Linie liegt es am Bedarf der produzierenden Betriebe an einer flexiblen Belieferung mit standardisierten Vorprodukten. In der Furnierindustrie war der Bedarf ebenfalls stark rückläufig. Echtholzfurniere wurden in großem Stil von Folien mit fotografisch erzeugtem Oberflächendesign verdrängt. Sperrholz und somit Schälholz aus Buche wurden ebenfalls immer weniger benötigt. „Es gibt heute schlicht zu wenige Produkte, die noch aus Buchenholz hergestellt werden.“ Mit dieser Aussage bringt der Verband der Waldwirtschaft Schweiz (WVS) das Dilemma der westeuropäischen Buchenwirtschaft auf den Punkt. Als Folge dieser Entwicklung sanken die Preise für Buchenstammholz. Die Statistik weist für Baden-Württemberg einen Rückgang von 76 €/fm 1990 auf 53 €/fm im Jahr 2005 aus. In Wirklichkeit war der Preisverfall noch viel dramatischer, denn der Stammholzanteil am Bucheneinschlag sank in der gleichen Zeit von 34 auf 19 %. Die Sägewerke kauften nur noch das stärkere und somit wertvollere Holz. Der Preis für dieses Holz lag 1990 noch deutlich über 100 €/fm.

Zum Leidwesen der Buchenforstbetriebe bewegten sich auch die Industrieholzpreise zu Beginn des neuen Jahrtausends auf einem Rekordtief und lagen nur noch zwischen 21 und 24 €/fm. Die Strategie vieler Rundholzabnehmer war einfach, konnte aber nicht dauerhaft funktionieren. Die bloße Rückwärtskalkulation und Weitergabe eigener Erlösrückgänge an die Rohstoffe musste zwangsläufig entweder mit dem Marktaustritt der Rohstofflieferanten oder dem Abfluss der Rohstoffe in alternative Vermarktungskanäle enden. Tatsächlich war zur Mitte des vergangenen Jahrzehnts das erste Szenario mit Händen greifbar. Viele Waldbesitzer haben die Holznutzung grundsätzlich infrage gestellt.

Die Abnehmer trauern den damaligen Preisen nach, haben aber offensichtlich nicht realisiert, dass ein Punkt erreicht war, an dem die Nutzung von Buchenbeständen vor dem Aus stand. Etwa ab diesem Zeitpunkt stiegen die Rundholzexporte wieder an.Der Einschlag war in manchen Jahren mehr brennholz- als stammholzorientiert. Das Preisniveau für Buchenholz stieg wieder an. Die Bedeutung des Brennholzpreises erkennt man daran, dass sich der Durchschnittspreis in allen Buchen-Sortimenten seit Jahren immer etwa 2 € über dem Brennholzpreis einpendelt. Die Ressourcenallokation wurde somit nachhaltig verändert.

Die ökonomische Situation der Buchenwirtschaft ist zwar besser als vor zehn Jahren, aber sie ist nach wie vor unbefriedigend. Zusätzlich erhöhen sich durch die waldbauliche Entwicklung hin zu Dauerwaldstrukturen die Anforderungen an Arbeitsvorbereitung und -sicherheit bei gleichzeitig geringerem Holzanfall je Fläche. Mittel- und langfristig müssen die Forstbetriebe aber die Kosten für die Holzbereitstellung über den Holzverkauf generieren können, um am Markt zu bleiben.

Anfänge des Rundholzexports nach China

Die Stammholzpreise stiegen um die Jahrtausendwende wieder auf das alte Niveau. Europä-ischen Sägewerken gelang es, große Mengen an Buchenschnittholz zu guten Preisen ins Reich der Mitte zu verkaufen. Noch mehr ließ sich verdienen, wenn man nicht nur Schnitt-, sondern auch Rundholz nach China verkaufte. So waren es keineswegs die Waldbesitzer, sondern Händler und in großem Stil eben auch Laubholzsägewerke, die den Rundholzexport zum Laufen brachten.

Der eine oder andere Kritiker des Rundholzexports scheint vergessen zu haben, dass er dabei selber ein großes Rad gedreht hat. Teilweise herrschte eine regelrechte Goldgräberstimmung. Branchenfremde Händler sprangen auf den Zug auf. Es blieb nicht aus, dass riskante Geschäfte getätigt wurden. Auch gegenüber den chinesischen Geschäftspartnern war nicht alles fair, was ablief. Qualitativ schlechte Lieferungen oder Verschiffungen zur Unzeit mit entsprechenden Qualitätsverlusten beschädigten das Image der Buche. Die Exportmengen und Preise brachen wieder ein. Erst in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts erlangte der Export von Buchenrundholz wieder eine größere Bedeutung.

Auch heute exportieren noch einige Sägewerke Rundholz. An dieser Praxis ist aus Sicht des Waldbesitzes nichts auszusetzen, hilft sie doch den Betrieben, wirtschaftlich zu bestehen. Qualitätsverluste können minimiert werden und es besteht eine zusätzliche Einnahmequelle. Wirtschaftliche Verbindungen bestehen häufig zwischen Laubholzsägewerken und Exporteuren. Viele Exporteure handeln nämlich sowohl mit Rund- als auch Schnittholz und ohne Schnittholzexport nach Fernost kann heute kaum noch ein Buchensägewerk existieren. Diese Quote liegt bei vielen Werken deutlich über 50 % der Produktion. Je nach Marktlage wird schon auch mal ein Rundholzlos zwischen Sägern und Exporteuren ausgetauscht.

So wenig Export wie möglich, so viel wie nötig

Die Forstbetriebe wünschen sich leistungsfähige Rundholzabnehmer mit kurzen Transportwegen in ihrer Region. Welche Risiken die einseitige Ausrichtung auf einen Exportmarkt haben kann, haben in der Vergangenheit einige Nadelholzsägewerke mit ihrer Fixierung auf den nordamerikanischen Markt zu spüren bekommen. Im Grunde besteht jedoch schon heute eine Abhängigkeit vom Asienmarkt. Rund-, vor allem aber auch Schnittholz werden auch in nennenswerten Mengen nach Vietnam, Indien, Malaysia und Japan geliefert.

Alles zusammengenommen, dürften zwischen 30 und 50 % des in Deutschland produzierten Buchenstammholzes – entweder in runder Form oder zu Schnittholz verarbeitet – in Asien landen. Die Lage in Frankreich stellt sich ähnlich dar. Einzelne nationale Märkte können sich diesen globalen Einflüssen nicht entziehen. Langfristig werden nur Betriebe bestehen, die einen marktgerechten Rohholzpreis bezahlen können. Strukturprobleme können nicht von einzelnen Waldbesitzern über günstige Rundholzpreise gelöst werden. Auch Niedrigstpreise für Stammholz 2005 haben hierzulande nicht für prosperierende Laubholzsägewerke gesorgt.

Wie sich ein Verzicht von Rundholzexporten einzelner Waldbesitzer auswirken würde, lässt sich somit kaum sagen. Wahrscheinlich wären die Auswirkungen auf das globale Gesamtsystem nicht messbar. Für den einzelnen Forstbetrieb wäre es aber von großer Relevanz. Deswegen ist für ForstBW der Rundholzexport eine Säule, auf die nicht völlig verzichtet werden kann. Der überwiegende Teil der Exportverkäufe wird durch die lokalen Vermarktungseinheiten innerhalb des zweistufigen Holzverkaufs vorgenommen. Diese arbeiten traditionell kundenorientiert und eng mit den lokalen Sägewerken zusammen und können eine ausgewogene Vermarktung gewährleisten.

Ein größerer Forstbetrieb muss auf verschiedene Marktsituationen vorbereitet sein. Im Falle einer Kalamität können diese auch plötzlich eintreten. Dazu ist der Aufbau von entsprechendem Know-how und den notwendigen Kontakten auch auf zentraler Verkaufsebene unerlässlich.Die derzeit exportierten Mengen sind ein klassisches Überschussangebot. Interessanterweise hat sich die Höhe dieses Überschussangebotes in den vergangenen 30 Jahren, speziell auf Baden-Württemberg bezogen, fast nicht verändert. Ähnliche Mengen wie jetzt nach China wurden jahrzehntelang nach Italien verkauft, ohne dass das jemanden gestört hätte. Der Italienmarkt ist jedoch seit 2007 nahezu komplett weggebrochen. Im Endergebnis trägt der Stammholzexport in seinem jetzigen Umfang zu einer Stabilisierung der Preise und des Kaufangebotes, das von den Waldbesitzern mobilisiert wird, bei.

Ohne Export könnte nicht alles Buchenstammholz aus Baden-Württemberg vermarktet werden beziehungsweise müsste noch mehr sägefähiges Holz der industriellen oder thermischen Nutzung zugeführt werden. Die Einnahmen helfen den Forstbetrieben, wirtschaftlich zu überleben und die Waldpflege zu garantieren. Gleichzeitig sichern die Exporte von Buchenrund- und -schnittholz auch vielen heimischen Sägewerken ihre Existenzen.